Arschgeweih auf Thilafushi

Hätte ich eine Punkband zu gründen, tauften meine zwei Mitstreiter (Götz Berlichingen a.k.a. Mehrschrot am Fender-Zweisaiter und Günther „Günni“ Sapperlot an den Bratpfannen) und ich sie „Die neuen Säue“, und unser Debütalbum hieße „Heute noch durchs Dorf getrieben, morgen bereits tot“. Als Intro würden wir mit supergebrochener Hipsterironie ein Jagdhorn „Sau tot“ blasen lassen, im Booklet aber straight-edge-Label endorsen and so on. Moooooment, Punk wäre natürlich, gar kein Album zu haben. Dann das Intro eben bei den Auftritten in den Jugendfreizeitstätten von Salzgitter und Neukirchen-Vluyn vom Bande einspielen lassen. Das wäre dann das einzige Elektrische an unserer Kunst, denn voll straight edge wäre nur die rein unpluggte Darbietung, nachhaltig wie unsere Tour. Wir würden allein mit Wochenendtickets im Nahverkehr von Salzgitter nach Neukirchen-Vluyn fahren (Dauer im Schnitt 7 Stunden). Equipment hätten wir ja kaum. Und nach nur 3 Jahren Salzgitter-Neukirchen-Vluyn-Salzgitter-Neukirchen-Vluyn und sonst nix hätten wir einen zweiwöchigen Malediven-Urlaub von Hinz und Kunz, den Frischvermählten, klimatisch kompensiert.

Aber Klimawandel, Bodenerosion, Meervermüllung, Frackingfolgen, Braunkohletagebau, Atomwaffentests, nationale, rassische, religiöse Beschränktheit, Aufrüstungslogik, Artendezimierung, Regenwaldabholzung, Touristikimperialismus, AIDS, Pharmazynismus, Flüchtlingsnichtpolitik, Frauenbeschneidung, Sweatshops, Guantanamo und Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, das sind alles alte Säue, und wir würden sie in unseren Zweieinhalbminutenkrachern nicht besingen, wir würden nämlich nur brandaktuelle heiße Eisen anpacken, und das nicht mit Samthandschuhen, sondern angelegentlich mit Germany’s Next Topflappen.