Böhmermannsche Dörfer

Jetzt muss ich mich also doch auch noch zu Böhmermann äußern. Obwohl er doch schon alles gesagt hat bzw. genau das ausgelassen hat, was durch die Hirne hätte eben dadurch erkannt werden sollen. Insbesondere haben sich jedoch andere, eigentlich (da haben wir es wieder, das „eigentlich“) auch der Entlarvung geweihte Menschen so dümmlich dazu geäußert (http://www.spiegel.de/kultur/tv/jan-boehmermann-kabarettisten-aeusseren-sich-zum-fall-a-1086815.html), dass ich mich einschalten muss, um größeren Schaden vom Volke zu wenden.

Eines Erstsemesters nicht würdig sind die Beiträge, die sich mit der äußeren Form und dem Wortgeklingel des Gedichts abgeben. Natürlich ist das formal schlecht gemacht, natürlich wimmelt es von platten Brüskierungen und Reimen, bei denen es einen zerreißt, vom holprigen Versmaß ganz zu schweigen. Aber gerade in der derben künstlerischen Nullleistung liegt ja der Sinn ihrer Verlautbarung. Böhmermann hat durch den Vortrag gesagt: „So handwerklich schwach hätten ich und meine Redaktion das niemals gemacht, wenn es uns darum gegangen wäre, Erdogan zu kritisieren oder lächerlich zu machen, ja nicht einmal, wenn es uns darum gegangen wäre, ihn zu beleidigen. Denn das hier ist keine Satire. Die Satire findet außerhalb dieses Textes statt.“

Mit ihren unverständigen Reaktionen haben sich all diejenigen selber vorgeführt, die zu benennen Böhmermann noch extra drei Stunden Sendezeit gebraucht hätte. Aber die Satire ist immer dann auf ihrem Zenit angekommen, wenn sie die von ihr Gemeinten als Mitautoren aktiviert und sie zu Denunzianten ihrer Beschränktheit macht. Denn das Erdogan-Gedicht ist die Fortsetzung des Varoufake: Das Bloßstellen der Banalität der Medienblamage, nämlich der Skandalisierung von Marginalem bei gleichzeitiger Marginalisierung des Skandalösen. Das, was der Berichterstattung und der Debatte wert wäre, wird an den Rand gedrängt (Menschenrechtsverletzungen in der Türkei? Unterdrückung der Presse? Kurden? Rüstungsdeals? Flüchtlingsdeals?), während das Unwichtigste zu Staatskrisen und Verschnupfungen der diplomatischen Korps führt.

Der rechtlichen Auseinandersetzung dürfte Böhmermann gelassen entgegensehen (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/boehmermanns-erdogan-gedicht-ermittlungsverfahren-unausweichlich-interview-a-1085959.html). Die nächste Sendung, eigentlich für morgen vorgesehen, fällt aus, dann ist vielleicht bei der Tagesschau wieder ein bisschen Sendezeit für die echten Erschütterungen des Weltenlaufs da. Aber die sind ja alle so weit weg, immer noch.

Was gesägt werden muss

Pegida hat die Debattenkultur zurück in den Kretinismus geführt mit dieser immer mitschwingenden „Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen“-Attitüde. Idiotisch ist diese Attitüde, weil das Sagen-um-des-Sagens-willen ja keinen Wert an sich darstellt, dieser Terror der emotionalistischen Aufrichtigkeit ist vielmehr der natürliche Feind aller Diplomatie und aller Akzeptanz von Andersartigkeit. Die Attitüde ist darüberhinaus auch eliptisch, denn korrekt müsste es heißen: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, ohne als rechtsradikal zu gelten.“ Und hier kann die Replik natürlich nur lauten: „Das denn nun gerade nicht, Ihr Fugenasseln. Zur Meinungsäußerungsfreiheit gehört, dass, wer für sich das Recht auf Dummbratzentum in Anspruch nimmt, die Kritik daran mit denselben Mitteln zu ertragen hat. Und das wird man ja wohl noch sagen dürfen. So, und jetzt Ihr wieder.“ Ein Schubskreis auf einem Grundschulhof.

Dabei muss man den PegiDadaisten ja durchaus dankbar sein für eine Entlarvung abendländischer Sitten: Die „Dwmjwnsd“-Attitüde reißt auf wohltuend perfide Art der Grandezza der Bigotterie die Maske vom Gesicht. Wo bestenfalls halbverschämt mit den ethischen Unzulänglichkeiten unserer Lebensweise kokettiert wurde, beginnt jetzt die Hinwendung zum offenen Bekenntnis zum Zynismus.

Es ist ein unausgesprochener Konsens gewesen, dass wir als Geschichtsgewinner (ja, wir sind das, die, die immer reicher werden, nicht nur die 62 Multimilliardäre, die soviel besitzen wie die Hälfte der Menschheit, aber doch auch nur ein Leben) unsere verheerenden Taten nicht öffentlich beichten, uns nicht zu unseren Trieben bekennen, die uns das alles machen lassen. In der Öffentlichkeit wird nur die Kehrseite zelebriert, die Spendengalas, die Abbitten, Ablassfeste fürs Register.

Aber gäbe es noch einen Reinen, der außerhalb der Verstrickungen und der Mitschuld stünde, er übersetzte unsere Taten in folgende Worte, von denen es in hundert Jahren heißen wird: „Das durften wir ja wohl noch sagen, wir haben’s ja schließlich auch gemacht“:

„Flüchtlinge können gerne kommen, aber nicht in meinen Vorgarten, nicht in meinen Stadtteil, nicht in die Schule meiner Kinder. Am besten kriegen die eigene Zeltstädte. Im Osten. Dafür gehe ich dann auch demonstrieren.“

„Eigentlich ist es mir scheißegal, ob unsere Gewässer und Böden verhunzt werden, Hauptsache, ich habe täglich mein tellergroßes Schnitzel. Es ist mir auch scheißegal, ob in der Konservendose, die mein nicht so intelligentes Haustür zu fressen kriegt, ein sehr viel intelligenteres Tier drin ist.“

„Es ist mir scheißegal, ob ein Kreuzfahrtschiff eine von Grund auf versaute Sauerei ist, von den Arbeitsbedingungen der kleinen Philippinos unter Deck bis zur Lebensmittel- und Energieverschwendung, Hauptsache, ich muss meinen Koffer nur einmal auspacken und bin trotzdem jeden Tag woanders.“

„Es ist mir eigentlich scheißegal, ob durch so etwas wie TTIP die demokratische Errungenschaft der Gewaltenteilung zugunsten transnationaler Konzerne pulverisiert wird. Dafür gehe ich dann auch nicht demonstrieren. Hauptsache ich krieg alles überall, und viel davon. Ich bin mein eigener Lobbyist.“

„Es ist mir scheißegal, ob in Sweat-Shops im günstigsten Fall Kinderhände verkorkst werden, im ungünstigsten Fall Tausende zu Tode kommen. Ich find’s toll, dass jetzt in jedem Kuhkaff ein Primark steht, in dem silohoch Wegwerfklamotten für den Saisonverbrauch gestapelt werden. Und die habe jetzt SUV-Parkplätze.“

„Es ist mir eigentlich alles scheißegal, falls Sie’s noch nicht bemerkt haben. Ja, richtig, das nennt man Scheinauflösung der kognitiven Dissonanz. Ist mir aber auch egal.“

So schriebe ein Reiner. Also keiner. Aber gemacht haben wir’s. Ich bezeuge es. Und obwohl ich mich als Zeuge nicht selber belasten muss (da haben wir sie, die kodifizierte Scheinauflösung der kognitiven Dissonanz), bin ich bereit, auszusagen. Vollumfänglich. Ein Geständnis, wenn Sie so wollen.

 

Hey Jojo, kommst Du an dem fraglichen Samstag zu meinem Geburtstag? Sprich mit den üblichen Verdächtigen die Anreise ab. Bitte solarbetrieben (Absprache und Anreise). Es gibt lecker Hund.

 

 

 

Ach, könnte man mir doch Nachhaltigkeit vorhalten!

Der Spiegel macht seine Nr. 16/2015 mit dem seltsam anmutenden Titel „Kaufen, um die Welt zu retten – Was bringt ethischer Konsum?“ auf. Dazu faltet eine mit Papiertüten bepackte, in das klassischer Weise den Madonnendarstellungen vorbehaltene Blau gehüllte junge Frau die rotbehuften Hände mit verklärtem Blick. Die Papiertüten tragen Aufschriften wie BioBio, Fair Trade etc., über dem Haupt der Frau hängt ein massivgoldener Heiligenschein mehr als er schwebt. Die Illustration scheint also die Antwort auf die Titelfrage zu geben, indem das vermeintliche Selbstbild der immer wieder hartnäckig so titulierten Gutmenschen aufs Korn genommen wird.

Es ist gut und richtig, dass im entsprechenden Artikel die tatsächliche Ethikhaltigkeit der Herstellung, des Transports, des Vertriebs und der Gewinnverwendung von als Fair Trade, Bio etc. gelabelten Produkte hinterfragt und in Teilen überprüft wird, und das durchaus unzynisch und nicht ohne Blick für Hoffnungsschimmer. Gleichzeitig artikuliert der Artikel vielfach Missverständnisse, die auszuräumen er berufen hätte sein können. Zudem wird die gesellschaftliche Tendenz widergespiegelt, unzureichende Motive und inkonsequentes Verhalten von vermeintlichen „Gutmenschen“ zu diskreditieren. Absolution erhalten solche Menschen derzeit nur, wenn sie von ihrem naiven Trip zurückkehren zu „normalem“ Verhalten.

Als Galionsfigur der potentiell engagierten, aber von der Realität ernüchterten Bessermenschen hält daher für den Spiegel-Artikel auch die Gründerin von Utopia.de, Claudia Langer, her. Sie, „die den Kunden prophezeit hatte, sie könnten mit ihren Einkäufen den Planeten retten“, musste feststellen: „Ich habe mir jahrelang eingeredet, dass es mich glücklich macht, wenn ich auf Fernreisen verzichte (…). Aber das Gegenteil ist wahr: Ich schöpfe aus diesen Reisen, und mein Verzicht hat dem Weltklima auch nicht viel gebracht.“ Ihr nach ökologischen Gesichtspunkten gekauftes Auto bezeichnet sie als „Spaßbremse“. Das Spiegel-Autorenteam konstatiert: Claudia Langer „gestand eine Niederlage ein. Sie kehrte sich ab vom Glauben daran, dass ethischer Konsum allein in der Lage sei, die Welt zu verändern, und dass ihre Schöpfung Utopia das Einkaufsverhalten der Deutschen revolutionieren würde. (…) Aber es ging Langer alles zu langsam. Sie wollte nicht die immer gleichen 15 Prozent der ohnehin Überzeugten noch einmal überzeugen.“ Aus „Frust“ über die Vergeblichkeit der Anschaffung von Holzspielzeug – „diese freudlosen Figuren in blassen Farben, die so uninspirierend sind“ – gab sich die Unternehmerin einem Plastikspielzeugkaufrausch hin. Und damit man in dieser Ikone das Menschliche an sich erkennen möge, wird ihre autotolerante Konsumethik ausbuchstabiert: „Claudia Langer hat sich vom bewussten Konsum keineswegs abgewandt. Sie erlaubt sich jetzt nur ab und an einen Fernflug oder kleine Nachhaltigkeitssünden. Sie fragt nicht unterwegs bei jedem Snack, wo er herkommt. Sie ist nicht mehr so streng mit sich.“ Die Autoren fügen hinzu: „Wer je versucht hat, seinen Konsum nach den ökologischen, sozialen und politischen Folgen auszurichten, der wird nachvollziehen können, was das für eine Versuchung ist: einfach zu essen und zu kaufen, zu verbrauchen und zu verfeuern, worauf man Lust hat und was billig ist. Ohne dieses schlechte Gewissen, die Erde zugrunde zu richten. Ohne dieses ständige Nachdenken über die Konsequenzen.“

Man lasse sich dieses Anfeaturen (so heißt das in Medienkreisen) mal auf der Zunge zergehen. Die Wortwahl und die damit einhergehende Darstellung der Emotionen und psychischen Parameter sagen nichts aus über die wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und politischen Folgen gewisser Konsumformen der Konsumenten aus der ersten Welt aus, aber alles über die Korrumpiertheit der Erwartungen und Einstellungen dieser Konsumenten und nicht zuletzt alles über das Wesen des Konsums selbst.

Der Reiz des Konsums liegt im Erwerb und Verbrauch, nicht im Besitz. Das Versprechen des Konsums ist Glück und Lust durch sich selbst. Dieses Versprechen und die Erwartung seiner Erfüllung hat der Konsument (beredt eben auch Verbraucher genannt) verinnerlicht. Konsum dürfte kaum je „ethisch“ werden, wenn nicht diese Wesenszüge generell hinterfragt werden. Ethisch zu nennen sind allenfalls Anschaffungs- und Versorgungsarten, die nicht nur den oberflächlichen Kriterien etwa des biologischen Anbaus und der ökologisch möglichst neutralen und unausbeuterischen Produktion Rechnung tragen, sondern sich überhaupt gegen das verzehrende Verbrauchen und den modischen Verschleiß von Dingen richtet. Deswegen lassen sich die beiden Kaufverhaltensweisen nicht auf der Ebene der Verhaltenslust vergleichen. Wer in der einen Welt noch wurzelt, für den hat die andere nichts als ‚Frust‘, ‚Freudlosigkeit‘, ‚Strenge mit sich selbst‘ und ‚Verzicht‘ zu bieten. Für die anderen stellt es aber entgegen der Unterstellung des Artikels keine Versuchung dar, „einfach zu essen und zu kaufen, zu verbrauchen und zu verfeuern, worauf man Lust hat und was billig ist“. Die Erwartung, dass ein Verhalten, das per definitionem anders sein und etwas ändern soll, dieselben Belohnungen ausschütten soll wie das zu ändernde Verhalten, ist das ersten Missverständnis in der Debatte um ethischen Konsum.

Das zweite Missverständnis ist die Vorstellung, dass mit den etablierten Protagonisten des Kapitalismus eine ethische Wende einzurichten sei. Wenn jedoch die Ethik beim Konsum nicht nur eine geistige Übung sein soll, sondern in faktisch wirksamem Handeln münden soll, dann kann das Ziel nur ein Herstellungs- und Kaufverhalten sein, das faktisch ökologisch, sozial und politisch neutral ist. Der dafür eigentlich stehende Begriff der Nachhaltigkeit ist bedeutsamer Weise durch inflationären Gebrauch mittlerweile selbst zu einem insignifikanten Wegwerfwort verkommen. Von echter Nachhaltigkeit, also einem Verhalten, das Zustände nicht verschlechtert bzw. deren Beeinträchtigung anderweitig kompensiert, ist die Lebensweise insbesondere der Europäer und Nordamerikaner unüberbrückbar entfernt, da das gesamte Wirtschaften dieser Gesellschaften auf Absatz und Verbrauch ausgerichtet ist, auf kalkulierte Obsoleszenz statt auf Langlebigkeit und auf Bedarfsweckung statt Bedarfsdeckung.

Mit der Allgegenwart der Bedarfsweckung geht wiederum das Unbehagen des Massenpublikums am lustfeindlichen „ethischen“ Konsum einher. Usf. Die Produzenten geben vor, in vorauseilendem Gehorsam dem Konsumenten zu folgen, der Konsument behauptet, nicht aus der dergestalt vom Produzenten komfortabel gemachten Hypnosezelle ausbrechen zu können, ohne dabei unverantwortbaren Mangel zu leiden. Hinzu tritt die perfide Selbsterhaltungslogik des Status quo: Der auf die eine oder andere Art in die Produktion von all dem Überflüssigem involvierte Großteil der Menschen tröstet sich über die Zumutungen, die mit dieser Verstricktheit einhergehen, mit eben diesen Produkten hinweg: „Das habe ich mir gegönnt, das habe ich mir verdient.“ Ja, das haben wir dann wohl verdient.

Es ist immer wieder durchaus peinlich, solche altbekannten Banalitäten zu benennen. Allerdings schämt sich der Spiegel auch nicht ähnlicher Gemeinplätze: Denn „alle Verantwortung dem Verbraucher aufzubürden hieße ja auch, die Politik aus ihrer Pflicht zu entlassen“, da es nach dem im Artikel zitierten Vittorio Hösle unwahrscheinlich sei, „den Egoismus des einzelnen Konsumenten wegpädagogisieren“ zu können. Es führe „kein Weg daran vorbei, dass es Umweltsteuern und vielleicht Umweltzölle geben muss. Die Preise müssen widerspiegeln, was jeder Kauf an Schaden etwa für die Umwelt bedeutet“. Ich halte jedoch jede Wette, dass ein Weg daran vorbeiführt. Die Menschen unpopulär zu ihrem erst später einsehbaren Glück zu zwingen, ist bei den gegenwärtigen Entscheidungszyklen ganz unabhängig vom Politikermaterial völlig utopisch. Und alle Verantwortung der Politik aufzubürden hieße ja auch, die Wähler aus ihrer Pflicht zu entlassen. Welcher Kandidat wäre in der Lage, über Partikularinteressen stehende Ziele und Entscheidungsnotwendigkeiten einem Wahlvolk schmackhaft zu machen, das in der Denke der „Alternativlosigkeit“ erzogen wurde und dem ohn‘ Unterlass der Axiom von der Lustfeindlichkeit der Vernunft eingehämmert wird?

Ich weiß nicht, wann dieser Topos geboren wurde. Ich ahne aber, dass der Großteil einer mit der „Alternativlosigkeit“ von „Sachzwängen“ konfrontierten Gesellschaft nicht auf ethisch elaborierte, sondern auf carnevalistische Weise eine Unterwanderung dieser Behauptungen sucht und den Umkehrschluss als ultima irratio lebt: Alles Unvernünftige ist lustvoll. Daher geht man wochenends „feiern“, sich selbst, die kleine Flucht. Eine sich dergestalt für subversiv haltende Clique ist tatsächlich nicht empfänglich für über ihre Vorstellung hinausgehende Verantwortung. Auf ihrem primarktütenfarbenen Grabstein wird stehen: Alles war nicht genug.

Was bringt also „ethischer“ Konsum? Eine punktuelle Entlastung des Gewissens, ohne Heiligenschein. Die Welt etwas weniger schnell schlechter zu machen. Und die Erkenntnis, dass in der Praxis, es in die Freiwilligkeit des Einzelnen zu stellen, was und wie er konsumiert, eine unerträgliche Ignoranz und Arroganz gegenüber dem zementierten Gefälle liegt, dass auch der ethisch versiertest handelnde Erstweltler einen zehnmal größeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt als ein kleiner Bangladeschi, selbst wenn er in einem fair-trade-kontrollierten Betrieb ökologisch unbedenkliche T-Shirts zusammennäht. Einen Fußabdruck, der ein Fußtritt für die Mit- und Nachwelt ist.

Immer wieder Sonntags

Ändern losst si goa nix, weil sunst hätt mas längst scho gmacht.

Ändern losst si goa nix, also servus, guäde Nacht.

 

– Georg Kreisler

 

Die sogenannte Aufklärung hat ein unglückliches Bewusstsein gestiftet, das Bewusstsein, dass Menschen eigentlich zu Höherem als dem alltäglichen Gewurschtel und Geplänkel berufen seien kraft der Vernunft, der Individualität und gemeinsinniger Regungen. Unglücklich wird das Bewusstsein an der ständig erlebten Differenz zwischen dieser Lobrede auf die Spezies und ihrem allenthalben unvertuschbaren Gebaren. Gleichzeitig wird an der Verheißung festgehalten, dass ein besseres Leben bereits auf Erden möglich sei, und zwar wegen des menschlichen Potentials. Im Grunde ist diese Selbsterhöhung weder durch Kopernikus noch durch Darwin und gewiss nicht durch Freud entscheidend erschüttert worden. Die nach wie vor wirksame Autosuggestion hat niemand mit größerem Nobilitierungsanspruch vorgetragen als good ol‘ Hegel, der in seiner Antrittsvorlesung in Berlin gesagt haben soll: „Wenn Sie meine Vorlesung besuchen, dann nehmen Sie an jenen Sonntagen des Lebens teil, welche die eigentliche Erfüllung der Existenz bedeuten.“ Aber mit dieser spezifischen Eigentlichkeit verhält es sich so, wie es Ödön von Horváth seine Freifrau von sagen lässt: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ Denn empirisch deutet nichts darauf hin, dass Menschen eine paradigmatisch größere Verhaltensautonomie als Tiere besitzen. Aber die Utopie ist – die Paradoxie sei gestattet – nun mal in der Welt, und um ihren wohlig lähmenden Wert erhalten zu können, müssen unliebsame Indizien für ihren Charakter ausgeblendet werden.

Auf das Aus- und Verblenden haben Menschen seit jeher viel Mühe und Witz verwandt. Verblendung, nicht im rhetorisch-verlogenen oder narzisstisch-selbstaffirmativen, sondern im industriedesign-propagandistischen Sinne als Verbrämung gedacht, ist die evolutionär selbstsabotierende Leistung des Hinwegtäuschens über das Notwendige und Drängende mithilfe des nicht einmal Nützlichen. Die Blende wird zum „Eigentlichen“, nicht das Verhüllte. Es gehört zum Wesen der Blende, dass sie durch ihre Dimensionen einen größeren Raum umhüllt als den, der von dem Verblendeten eingenommen wird. Es verwundert daher nicht, dass die Blende auch überproportional zum Verblendeten vergötzt wird. Sie ist das eigentliche Produkt, sozusagen der Sonntag des Produktlebens, und hat sie Kratzer, kommt das ganze Produkt auf den Müll. Eine Ausschlachtung des vielleicht noch verwertbaren Verblendeten rentiert sich nicht. Nur an der Blende und ihrem Schmelz der Neuwertigkeit mag man sich weiden. Die Müllhalden, Schrottpressen, Hinterhöfe und Katakomben der Welt zeugen daher von den bleibenden Wirklichkeiten menschlichen Vermögens, und zwar gleichermaßen in konzentrierter wie in ausufernder Form. Insofern hat sich die Aufklärung, so man ihr Motivationen der Ent-Blendung, der „Enthüllung“ unterstellen mag, in ihr Gegenteil verkehrt: Selbst die Ent-Blendungen werden wieder zu Verblendungen in der Hand von Blendern: Das sogenannte Umweltbewusstsein und alle Anstrengungen, ihm Ausdruck zu verleihen (Müll trennen, nur zwei Transkontinentalflüge im Jahr für Herrn Hinz und Frau Kunz), zeigt nur, dass die Welt eben lediglich als Um-Welt, als Um-Verpackung, als Blende, gesehen wird, die sich im Bewusstsein der Weltentwerter polieren lässt, während sie selber als Interieur weiterwursteln können.

Ohnehin das Bewusstsein: ein Artefakt der Evolution, aufgepeppt mit der Autosuggestion der Willensfreiheit. Man muss kein neurobiologischer Positivist und kein genetischer Determinist sein, um mutmaßen zu können, dass „Entscheidungen“ des „Bewusstseins“ allenfalls nachträgliche Würdewahrungsstrategien sind, die vorher passierte neuronale Prozesse vor dem Selbstanspruch der „Ratio“ legitimieren sollen. Gleichzeitig fängt eine hedonistische Pseudophilosophie halb zynisch die Verfehlung unserer Legitimitäts- und Legalitätsbegriffe auf, ursprüngliche Bedürfnisse und ihre Befriedigung nicht wahrhaben zu wollen, indem sie Sätze formt wie: „Vernünftig war’s nicht, aber geil.“

Menschen bleiben nicht unter ihren Möglichkeiten und schlagen auch nicht über die Stränge, sondern alles spielt sich im Rahmen ab. Sie sind nicht eigentlich ganz anders, sondern genau so. Explizite Utopien sind nur die Übertreibung der üblichen Sonntagsreden von „der Menschheit“ (im fingierten Gegensatz zur nicht vorhandenen Hundheit und Pinguinheit). Der gemeine Erste-Welt-Bewohner (um nicht zu sagen: der perfide Erste-Welt-Bewohner) ist nicht die Perversion des vermeintlich edlen Wilden, sondern seine wahrscheinlichste Mutation. Er ist die Ausschöpfung des Menschenmöglichen und tut des Menschen Möglichstes, nichts der Phantasie zu überlassen. Des Menschen Möglichstes, das ist keine Hoffnung und keine Verheißung, das ist eine Drohung, die permanent verwirklicht wird. Sollte es eine Hoffnung auf ein besseres Leben bereits auf Erden geben, dann nicht wegen, sondern trotz des menschlichen Potentials. Aber ein Liegenlassen von Möglichkeiten ist die conditio humana nicht. Was gestern noch Schicksal hieß, ist das individuell abgespulte evolutionäre Programm, ungeachtet des kollektiven Verheerungsvermögens und der Populationsdichte. Denn „sie wissen nicht, was sie tun“, aber „es hat so sollen sein“.

 

 

Arschgeweih auf Thilafushi

Hätte ich eine Punkband zu gründen, tauften meine zwei Mitstreiter (Götz Berlichingen a.k.a. Mehrschrot am Fender-Zweisaiter und Günther „Günni“ Sapperlot an den Bratpfannen) und ich sie „Die neuen Säue“, und unser Debütalbum hieße „Heute noch durchs Dorf getrieben, morgen bereits tot“. Als Intro würden wir mit supergebrochener Hipsterironie ein Jagdhorn „Sau tot“ blasen lassen, im Booklet aber straight-edge-Label endorsen and so on. Moooooment, Punk wäre natürlich, gar kein Album zu haben. Dann das Intro eben bei den Auftritten in den Jugendfreizeitstätten von Salzgitter und Neukirchen-Vluyn vom Bande einspielen lassen. Das wäre dann das einzige Elektrische an unserer Kunst, denn voll straight edge wäre nur die rein unpluggte Darbietung, nachhaltig wie unsere Tour. Wir würden allein mit Wochenendtickets im Nahverkehr von Salzgitter nach Neukirchen-Vluyn fahren (Dauer im Schnitt 7 Stunden). Equipment hätten wir ja kaum. Und nach nur 3 Jahren Salzgitter-Neukirchen-Vluyn-Salzgitter-Neukirchen-Vluyn und sonst nix hätten wir einen zweiwöchigen Malediven-Urlaub von Hinz und Kunz, den Frischvermählten, klimatisch kompensiert.

Aber Klimawandel, Bodenerosion, Meervermüllung, Frackingfolgen, Braunkohletagebau, Atomwaffentests, nationale, rassische, religiöse Beschränktheit, Aufrüstungslogik, Artendezimierung, Regenwaldabholzung, Touristikimperialismus, AIDS, Pharmazynismus, Flüchtlingsnichtpolitik, Frauenbeschneidung, Sweatshops, Guantanamo und Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, das sind alles alte Säue, und wir würden sie in unseren Zweieinhalbminutenkrachern nicht besingen, wir würden nämlich nur brandaktuelle heiße Eisen anpacken, und das nicht mit Samthandschuhen, sondern angelegentlich mit Germany’s Next Topflappen.

Guten Morgen, Abendland

Schlaaand hat Angst. Weil es gerade Zeit hat. Weil die Arbeitslosenquote gerade geht so ist, aber nicht dramatisch. Weil gerade keine Fußball-WM ist. Weil der Benzinpreis niedrig ist. Weil es der Wirtschaft gerade ganz gut geht. Weil die Finanzwirtschaft die Permanenz ihrer Perversion mittlerweile ganz gut verschleiert. Weil der Kleinanleger gerade nicht gefährdet ist. Weil wahrscheinlich doch noch irgendwann die Helmpflicht für Fahrradfahrer kommt. Weil es also gerade in den Kram passt, Angst wegen anderer Dinge gemacht zu bekommen.

Da passt es ganz gut, dass einem – nach den Regeln der medialen Welt, versteht sich – hinterbracht wird, dass es da ein paar Terroristen gibt, die sich – nach den Regeln der medialen Welt, versteht sich – rühmen, den heiligen Krieg auf die Festung Europa ausdehnen zu wollen und zu können. Es passt auch ganz gut, dass die Angstmacher ein einprägsames Gesicht haben, ein bärtiges namentlich, da muss der Geängstigte nicht erst einen Archetyp konstruieren, und so ein Bärtiger mit Ziegenhüterhütchen lässt sich auch vorzüglich karikieren. Das Sendungsbewusstsein der Youtube-Terroristen lässt die europäischen Staaten wieder zu einem Affirmationskartell zusammenrücken, das in den üblichen Sonntagsreden von den europäischen Werten seine kaum verhohlene Eitelkeit pflegt, nämlich die einer sich im Grunde doch überlegen wissenden Kultur.

Die Faktizität der Anschläge von Paris, Madrid, London und Frankfurt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bedrohung durch radikalisierte Muslime unter dem Vergrößerungsglas der sich reziprok beeinflussenden europäischen Medien und Politik einen unangemessenen Stellenwert bekommen hat. Das liegt auch daran, dass die Europäer traditionell – denn das gehört ebenfalls zu den „Werten“ des Abendlands – für die nationalistischen und separatistischen Exzesse in ihrem eigenen Hinterhof ein eher gleichmütiges Verständnis aufbringen. Nordirische Paramilitärs, ETA und – warum denn den Blick in die Ferne schweifen lassen – RAF, Wehrsportgruppen, Kameradschaften und NSU und die Zahl ihrer Opfer beweisen recht eindringlich, dass der Wahnsinn nicht importiert werden muss, oder genauer: dass die Wahnsinnigen nicht importiert werden müssen. Ob die dann einem importierten oder einem in der „Wertegemeinschaft“ hausgemachten Wahnsinn anheimfallen, scheint ein Zufall individueller Entwicklung zu sein.

Es ist eine Binsenweisheit, dass die statistische Gefahr, Opfer eines islamistischen Attentats zu werden, in keiner ernstzunehmenden Korrelation zu der gegenwärtig designten Angst steht, insbesondere nicht im Verhältnis zu viel konkreteren und wahrscheinlicheren Gefahren. Ein anthropologisch konstantes Grundbedürfnis nach Angst ist noch nicht nachgewiesen worden. Man muss also fragen: Wem nützt diese Angst?

Nach dem „Ende der Geschichte“ war es der „Kampf der Kulturen“, der eine verführerische Wirkung auf die vom Kalten Krieg erweichten Gehirne des Westens ausübte. Diese Modelle gehörten zu den Selbstbestätigungsverfahren der paar narzisstischen Gesellschaften, deren einziger gemeinsamer Nenner der Wohlstandsvorsprung gegenüber den anderen Gesellschaften und die stillschweigende Übereinkunft darüber war, dass dieser Vorsprung mit Zähnen und Klauen zu verteidigen ist. Diesen Gesellschaften war der Antipode abhanden gekommen, vor dessen Spielart der Menschenverachtung die eigenen Tendenzen, den Menschen zum Objekt zu machen, sich als die im Zweifelsfall immer noch erstrebenswerteren ausnahmen. Und dann kam der 11. September, der die Theorie vom Kampf der Kulturen, hinter den alle sozioökonomischen und politischen Unterschiede von Gesellschaften zurücktreten, auf das Autosuggestivste zu bestätigen schien. Der Schmelz des moralischen und gesellschaftsevolutionären Vorsprungs des Westens gegenüber den vermeintlich mittelalterlichen Oligarchien und Theokratien der Achse des Bösen und ihrer Anrainerstaaten wurde allerdings alsbald matt, als völkerrechtlich schlapp oder gleich überhaupt nicht legitimierte Rohstoff-, Absatzmarkt- und Handelswegkriege unter der Verbrämung des „War on terror“ geführt wurden. Die europäischen Politeliten spielten dabei entweder aktive oder anders unrühmliche Rollen. Aber man hatte endlich wieder ein Gegenüber, das der uneingeschränkten Verachtung würdig war und das die neu beschworene Wertegemeinschaft herauszufordern schien.

Die Artikulation dieses Gefühls des angeblichen Herausgefordertwerdens offenbart allerdings die Natur dieses „Konflikts“ schonungslos: es handelt sich nämlich um einen inneren Konflikt, eine Krise des Selbstverständnisses des Westens, der nüchtern betrachtet keine Vorzüge besitzt, die er tatsächlich einem besonderen Verhaltensadel seiner Bewohner verdanken würde. Der Westen befindet sich in der schnöseligen Lage von Erben historischen Glücks in der dritten Generation, die heute die Früchte des Weltzustands nach Kolonialisierung, Einnahme und Kontrolle aller Zugänge zu Rohstoff- und Absatzmärkten genießen und dem Rest der Welt noch gute Ratschläge mit auf den Weg geben wollen, auf einen Weg, der ganz bestimmt nicht dahin führen soll, wo der Westen schon ist.

Wem nützt also die Angst vor der Invasion islamistischer Terroristen? Einer Staatengemeinschaft, die eine Krise ihrer emotionalen und wirtschaftlichen Bindemittel zu überstehen hat. Regierungen, die im Windschatten der medialen Dominanz weniger populäre Entscheidungen durchwinken lassen können, an deren öffentlicher Legitimierung sie sich ansonsten die Zähne ausbeißen würden. Und nicht zuletzt immer einzelnen Protagonisten, die sich im Angstartikulationsmanagement hervortun und im stillen Einverständnis mit den medialen Scheinskandalisierungen von verschämt-rechten Parolen handeln, mögen sie die schlechte Publicity durch die „Lügenpresse“ auch bigott geißeln.

Bei dieser Angstbewirtschaftung geraten die eigentlichen Tragödien aus dem Blick: dass unter dem Deckmäntelchen einer militarisierten Fehlinterpretation des Islam von einer Minderheit in muslimisch geprägten Gesellschaften des nahen und mittleren Ostens brutal-patriarchalische, bildungsfeindliche Systeme errichtet werden sollen und dass dabei Abertausende von Menschen, die einfach nur in Frieden ihr Dasein fristen wollen und bei denen es sich fast ausschließlich ebenfalls um Muslime handelt, hingemetzelt werden. Die Hauptleidtragenden des islamistischen Terrors sind Muslime. Aber das wird in Europa so behandelt, als seien derartige Risiken der Lebensführung in einer problemlos als homogen imaginierbaren fatalistischen Mentalität „der“ Muslime schon hinreichend aufgefangen.

Die islamistische Perversion ist aber nicht im Islam angelegt. Die wachsende Zahl deutscher Dschihadisten ohne den sogenannten Migrationshintergrund zeigt, dass es keine muslimische Sozialisierung braucht, um sich fanatisieren zu lassen. Eine hohe theologische Bildung ist beim Fußvolk des Dschihads so wenig vorhanden wie die Einsicht in die Fakten der Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik beim Fußvolk der Anti-Islam-Proteste. Komplexitätsreduktion als Führungsstrategie all überall. Es ist ohnehin falsch, den Katalysator mit den Reaktanten zu verwechseln. Radikale Gruppierungen sind immer ein Sammelbecken von gesellschaftlichen und individualgeschichtlichen Verlierern. Die individuellen Verlierer kann man vor ihrem Schicksal nur schwer bewahren, nationalstaatliche Politik kann aber immerhin die Rahmenbedingungen für ein Gelingen individueller Biographien gestalten. Es wäre allerdings Aufgabe auch einer sich als international koordiniert verstehenden Politik, das Entstehen oder Fortbestehen ganzer Verlierergesellschaften zu verhindern. Die Praxis zeugt jedoch von genau gegenteiligen Tendenzen, wenn andere Gesellschaften lediglich als Rohstofflieferanten und devote Handelspartner behandelt werden, falls man sie sich nicht gerade direkt zu Feinden macht, indem man bei ihnen einmarschiert und dabei ganze Generationen von traumatisierten Märtyrern im Wartezustand aktiv herstellt.

Der Anspruch auf die Deutungshoheit über die Qualität von „uns“ und „denen“, der Wille zur Abgrenzung und die daraus legitimierten Verhaltensweisen von Individuen, Staaten und Staatengemeinschaften ziehen aus den ganz selbstverständlich gewordenen, globalisierten Zuweisungen von Morgen- und Abendland, fernem Osten, nahem und mittlerem Osten immer weiter Nahrung. „Wir“, das ist der Nabel der noch immer nicht als unentrinnbares Dschungelcamp für alle begriffenen Welt.

Bleibt es dabei, wird die Welt zu einem einzigen Na-dann-gute-Nacht-Land.

Einen Aphorismus zu schreiben, wenn man es kann, ist oft schwer.

Viel leichter ist es, einen Aphorismus zu schreiben,

wenn man es nicht kann.

– Karl Kraus

 

Noch leichter ist es, wenn man auch keinen Gedanken hat, dann geht es einfacher durch das Nadelöhr des nicht gekonnten Aphorismus. Ein nicht gehabter Gedanke lässt sich allerdings hervorragend auch in Leitartikellänge auswalzen.