Per aspera ad ASTMA

Wir schreiben das Jahr 1990. In Dortmund grassiert seit 6 Jahren Graffiti. Ein 13jähriger Bengel mit Verwöhnungsschaden wird vom Sog erfasst. Karstadt und Sparvar teilen erstaunlich viele Buchstaben, und für 35 D-Mark 80 Pfennige wird je zweenmal Silber und Rot erstanden. An einer schwachsinnig am Ende eines Autobahnraststätten-Wirtschaftsweges gelegenen Garage strichelt der Knabe mit den skinniesten Skinny-Caps, die je auf Dosen gesteckt haben, sein erstes Bild, das auch 31 Jahre später noch der UV-Strahlung trotzt und so von der Stylehavarie des Jünglings kündet. Das Ding ist mittlerweile auch zivilrechtlich verjährt.

Dem ersten Versuch folgen noch zwei weitere, von denen keine Bilder überliefert sind. Danach wurde der Junge kurz nach Erreichen der Strafmündigkeit beim Dosenklauen erwischt, und damit war die deviante Karriere beendet.

1996 will es der Adoleszent noch einmal wissen. Der Dortmunder Bunker in der Schützenstraße ist damals noch nicht abgerissen. Dort will auch der junge Mann dilettieren, und tut es vollumfänglich – wieder ein Styleunfall erster Kajüte: kein Hintergrund, Drippings, wo immer das Auge einen Fluchtweg sucht, eine Farbpalette aus den Abgründen der Baumarkt-Hölle, Grüße an allen und jeden, kurzum: der Grund, warum der Immer-noch-Teenager beschließt, es angesichts der handwerklichen Defizite nun aber doch bleiben zu lassen, was er mit „Alles Scheiße“ rechts daneben auch verzichtsverpflichtend postuliert.

Er hält sich 24 Jahre daran. Letztendlich ist aber der 13. Geburtstag seiner Tochter im Jahr 2020 der Anlass, als ASTMA ans flüchtige Licht der Graffiti-Öffentlichkeit zu treten. Und weil es Spaß macht, flattert er dort immer noch. Denn „man sieht nur die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht“.